Janne Teller, 1964 in Kopenhagen geboren, stammt aus einer deutsch-österreichischen Familie. Sie studierte Staatswissenschaften, arbeitete als Konfliktberaterin der EU und UN in aller Welt, und setzte sich in verschiedenen Krisengebieten vor Ort für die Menschenrechte ein, bevor sie sich 1995 ganz dem Schreiben widmete. Heute lebt sie in New York.
Für ihre literarische Arbeit wurde Janne Teller vielfach ausgezeichnet. In ihrem Werk, das auch Essays, Kurzgeschichten und Romane für Erwachsene umfasst, umkreist sie stets die großen Fragen des Lebens, und löst mit gesellschaftskritischen Themen nicht selten lebhafte Debatten aus. Nachdem ihr erstes Jugendbuch „Nichts“ in dänischen Schulen zunächst verboten war, wurde es 2001 mit dem Kinderbuchpreis des dänischen Kulturministeriums und 2008 mit dem renommierten Prix Libbylit für den besten Jugendroman in französischer Sprache ausgezeichnet. Inzwischen ist es auch ein großer internationaler Erfolg und in 13 Sprachen übersetzt.
In Deutschland erschien „Nichts. Was im Leben wichtig ist“ 2010 bei Hanser und avancierte in Rekordzeit zum Bestseller. „Krieg. Stell dir vor, er wäre hier“ ist Janne Tellers zweites Buch bei Hanser.

Interview mit Janne Teller zu ihrer Lesereise durch D-A-CH im Frühjahr 2011

Liebe Janne Teller, Sie waren gerade auf Lesereise in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Welche Erlebnisse sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Ein besonderes Erlebnis hatte ich in Berlin nach der Lesung. Viele Menschen mit Migrationshintergrund oder in Beziehung zu Migranten ebenso wie Deutsche, die während des Krieges im Ausland lebten, kamen auf mich zu, um mir zu sagen wie glücklich sie über „Krieg“ sind. Denn das Buch spiegelt ihre Erfahrungen und Gefühle als Ausländer und Flüchtlinge genau.
Außerdem gab ich auf der Lesereise zwei 13-jährigen Jugendlichen ein Interview. Hans Christian aus Berlin und Johanna aus Köln. Anfangs dachte ich, dass die beiden zu jung für „Nichts“ und „Krieg“ seien. Aber ich lag falsch: Beide hatten solch ein weitreichendes Verständnis der Bücher. Sie stellten Fragen von einer solchen Tiefe, vergleichbar den besten Fragen von erwachsenen Journalisten. Christian bemerkte, wie überwältigt er war, als er die Bücher las und Johanna sagte, wie sie durch „Krieg“ das Leben als Flüchtling nachempfinden konnte.

Welches Publikum zeigte das größte Interesse?
Das ist schwierig zu beantworten. In einigen Städten wie Köln mit 500 Besuchern und Frankfurt am Main mit 200 Zuhörern waren die Karten seit Wochen ausverkauft und die Menschen standen lange an, um ihre Bücher signieren zu lassen und nach der Lesung noch Fragen zu stellen. Aber auch in Städten wie Göttingen, Hamburg und Freiburg kamen viele Leute und es bestand großer Bedarf an Fragen. An der Universität in Zürich saßen die Studierenden im Treppenhaus und am Boden, weil es zu wenig Plätze gab.

Was zeichnet die deutschen Leser aus? Unterscheiden sie sich von anderen?
Die Deutschen sind sehr gründliche Leser. Sie steigen tief in die Bücher ein und nehmen die Geschichten und Themen ernst – was für einen Schriftsteller wunderbar ist. Deshalb liebe ich mein deutsches Publikum sehr und lerne es gerne kennen. Denn die Diskussionen sind meist sehr interessant, und oft werden Fragen gestellt, die ich noch nie zuvor gehört habe – und sogar einige, die mich darüber nachdenken lassen, warum ich die Geschichten so geschrieben habe wie ich es getan habe.

Welche war die interessanteste Frage an Sie?
Für mich war es wahrscheinlich die Frage, ob ich jemals darüber nachgedacht habe, dass die Erwachsenen in „Nichts“ sich genau wie wirkliche Erwachsenen verhalten, die Angst vor den Fragen haben, die in „Nichts“ behandelt werden. Darüber hatte ich nie zuvor nachgedacht…

Und die häufigste Frage?
Woher die Ideen für „Nichts“ und „Krieg“ kamen.

Was haben Sie als erstes getan, als Sie wieder in New York waren?
Geschlafen!

Vermissen Sie das Reisen schon?
Auf eine gewisse Weise schon. Was sehr untypisch für mich ist. Normalerweise bin ich nicht so begeistert davon Vorträge zu halten, sondern bin lieber für mich, denke nach und schreibe.
Aber auf dieser Lesereise bin ich auf eine so große Begeisterung im Publikum gestoßen – jung wie alt – die sich alle „mehr“ wünschen. Diese Menschen wollen eine Welt mit besseren Werten, als das alles beherrschende Wettbewerbssystem, das nicht nur Wirtschaft, sondern auch Politik, Kunst und oft sogar zwischenmenschliche Beziehungen regelt. Das inspiriert und ermutigt mich sehr. Deshalb ist es jetzt gut eine Weile zu schreiben – aber ich freue mich schon, auf meine nächste deutschsprachige Lesereise zu gehen!!

Welche Pläne haben Sie nun?
Im Moment bin ich bei dem hiesigen Literaturfestival in Kopenhagen, aber ich kehre schon bald nach New York zurück. Seitdem ich dort umgezogen bin, muss ich mich noch ein bisschen besser einrichten, dann lege ich für einige Tage eine Pause ein und schreibe den ganzen Sommer an meinem neuen Buch!

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